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itslearning  
Pioniere in Hessen

Am Starkenburg-Gymnasium in Heppenheim ist man  überzeugt von itslearning und hat die Lernplattform fest in das Schulleben integriert. BYOD ist hier gelebte Praxis. Der Austausch zwischen Schule und Eltern hat sich verbessert. Unterm Strich bleibt mehr Zeit für den Einzelnen.

 

Wir nehmen heute einmal Lauras Text. 

„Wir nehmen heute einmal Lauras Text.“ Stefan Schrader ruft die Datei im System auf, die sofort an der digitalen Wandtafel erscheint. Die Klasse kann jetzt gemeinsam korrigieren. Die Schüler suchen die Fehler – so sie denn vorhanden sind -, Schrader unterschlängelt und verbessert sie. Auf diese Weise nutzt er das Lernmanagement-System der Schule am häufigsten. Schon 2006 gründete er dort gemeinsam mit einigen anderen Lehrerinnen und Lehrern das Projekt„LiNK“: „Lernen in Notebook-Klassen“.

Notebooks im Einsatz

Seitdem nutzen die Schüler ab der Klasse sieben bis zum Abitur Notebooks als persönliches Arbeits- und Lerninstrument. Zwischendurch wurden Netbooks eingeführt und auch über Tablets denkt das Kollegium nach. Doch klassische Lernsoftware benötigt schnelle Prozessoren – die Netbooks kamen da nicht mit und was die Tablets angeht, ist Schrader in dieser Hinsicht eher skeptisch eingestellt. Doch man wird sehen. Zum Einsatz kommt die Lernplattform itslearning.

Die kombinierte Nutzung von Notebook und Lernplattform hat zum Ziel, die Schüler umfassend auf ihren künftigen Beruf und ihr Studium vorzubereiten. Auch die Hinführung zu einem reflektierten und verantwortungsbewussten Umgang mit den Chancen und Risiken moderner Medien ist ein Schlüsselelement im Medienkonzept der Schule.

Technische Ausstattung gegeben

Technisch ist die Schule sehr gut ausgestattet. Schrader „geniert“ sich fast ein wenig, wenn er davon erzählt, denn er weiß, wie es an vielen anderen Schulen aussieht. 24 Millionen Euro hat sich der Kreis den Bau der Schule vor ein paar Jahren kosten lassen. Die IT-Infrastruktur hat ebenfalls der Kreis finanziert. Zudem gibt es in Heppenheim einen fleißigen Förderverein, der immer wieder neue Quellen auftut. Dazu kommen Firmen aus dem Umkreis, die unregelmäßig die Ausrüstung aufstocken. Es fehlt deshalb an fast nichts: Bloß die Internet-Bandbreite ist mit 22 Mbit/s eine Spur zu schmal, doch auch das wird sich bald ändern. Rund 1150 Schüler besuchen das Starkenburg-Gymnasium. In den Klassenstufen sieben bis neun gibt es insgesamt neun Notebook-Klassen, in denen jeder Schüler ein Notebook nutzt - etwa 250 sind es. Die Computer werden von den Eltern über diese Zeit finanziert und bis zur Klasse zehn abbezahlt. Weil sie dann schon fast wieder veraltet sind, arbeiten die Schüler in der Oberstufe meistens mit ihren eigenen Computern: „Bring Your Own Device“.

Bring your own device (BYOD)

Von technischen oder administrativen Problemen mit BYOD, etwa wegen unterschiedlicher Betriebssysteme und Versionen von Betriebssystemen, kann Schrader nichts berichten. Schließlich loggen sich die Schüler ins Lernmanagementsystem (LMS) ein und arbeiten online – das Betriebssystem macht dabei keinen Unterschied. Denn das LMS läuft auf dem Server, nicht auf den Computern. Aus praktischen Gründen haben die Schüler lokale Konten, so können sie sich schneller anmelden.

Die Daten werden aber extern gesichert – eine kaputte Festplatte auf einem Schüler-Computer soll seine Arbeit nicht gefährden. In der Regel haben die Schüler in der Mittelstufe noch keine Admin-Rechte auf den Computern, mit denen sie arbeiten – damit haben die Lehrer schlechte Erfahrungen gemacht. Also dürfen die Schüler ihre Bilder verwalten, private Nachrichten bearbeiten – aber keine Spiele spielen. Dass Spiele auf den Notebooks kategorisch verboten sind, mag ein Hinweis auf die erwähnten schlechten Erfahrungen sein. Allerdings können die Schüler sich für eine Woche Admin-Rechte zuteilen lassen, damit sie neue Software installieren können. Die Notebooks sind, wie Schrader betont „reine Arbeitskisten“, aber naiv sind die Lehrer natürlich nicht und wissen, dass sie nicht jede spielerische Nutzung erfolgreich verbieten können.

"Die Zeit, die ich durch die vereinfachte Unterrichtsvorbereitung, den unkomplizierten Austausch mit den Eltern und Funktionen wie der Plagiatskontrolle einspare, kann ich  sinnvoll darauf verwenden, meine Schüler und Schülerinnen individuell zu fördern."

Stefan Schrader, Lehrer für Englisch und Ethik


Schülergruppe kümmert sich um Computerprobleme

Schrader ist auch verantwortlich für die Wartung der Computer und die Administration der Lernplattform. Dafür erhält er zum Ausgleich einige Stunden Unterrichts-Ermäßigung. Unterstützt wird er bei diesen Arbeiten von der Schülergruppe ITA – der „Informationstechnischen Assistenz“. Sie nimmt sich in einem eigens dafür reservierten Raum den Computerproblemen an, die alltäglich auftauchen. Liegt das Problem nur an der Software, reparieren sie sofort selbst. Ist die Hardware betroffen, schickt das Unternehmen SVC die kaputten Geräte an die Herstellerfirma. Die Schüler arbeiten in der Zwischenzeit mit einem Ersatzgerät.

Fortbildungen, bitte keine Massenveranstaltungen!

Auch um die Fortbildung und Unterstützung des Kollegiums kümmert Schrader sich. Dabei verzichtet er mittlerweile auf Massenveranstaltungen, denn die Fortbildung mit der Gießkanne erwies sich als nicht sehr erfolgreich. Den Anstoß dazu gaben vor allem kritische Eltern. Sie betonten, wie eng der Erfolg eines digital unterstützten Unterrichts von der Lehrerpersönlichkeit abhänge, die mit den Schülern arbeitet – „Damit steht und fällt es. Deshalb sind wir von der Bringschuld weg und zur Holschuld übergegangen. Wir bilden individuell zu allen möglichen Themen fort, die den einzelnen Lehrern sinnvoll erscheinen und die sie in ihren Unterricht integrieren wollen.“ Das kann Grundlegendes sein, wie die Textverarbeitung, und es kann komplexe didaktische Szenarien behandeln, wie kooperatives Lernen mit Hilfe des Internets.

Der Blick über den Tellerrand

Allgemeine Überblicksveranstaltungen gibt es allenfalls noch hin und wieder, um auf neue Software hinzuweisen. Zu Beginn der Digitalisierung, das ist noch hervorzuheben, hat die Partnerschule in Norwegen sehr geholfen, die Nesodden Upper Secondary School. Sie hat wichtiges Einstiegswissen vermittelt und Erfahrungen weitergegeben, so dass schon im Vorhinein viele Stolpersteine aus dem Weg geräumt werden konnten. Das Starkenburg-Gymnasium ist den Norwegern sehr dankbar für diese Entwicklungshilfe.

Fachartikel zum Thema Schul- und Organisationsentwicklung

Lesen Sie verschiedene Fachartikel, wie die Einführung einer Lernplattform die Unterrichts- und Organisationsentwicklung stützen kann.

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Dieser Text erschien am 30.8.2013 im Online-Magazin DIGITAL LERNEN, dem Online-Magazin für digitales Lernen in Bildungseinrichtungen. Das Magazin will Pädagogen, Eltern und Politiker ermuntern, die Integration digitaler Medien nachhaltig zu verbessern. 

Wir bedanken uns für die informative Berichterstattung!

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