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Sichere Daten sind das Wichtigste – auch beim Lernen

Für Kinder gibt es viele Chancen und auch einige Risiken im Netz. Datenschutz aber hat höchste Priorität für Lehrer, Eltern – und vor allem für die Schüler.

von CHRISTIAN FÜLLER

Mutter mit ihren Kindern am Computer

Bild: Schöne heile Welt des Lernens im Internet - Aber bitte nur mit geschützten Daten!

Gastbeitrag von Christian Füller, Bildungsjournalist und Moderator des Podiums "itslearning - Datenkrake oder sicherer Hafen?" auf dem itslearning Nutzertreffen 2015 in Bremen.

 

Die Lehrerin sprach leise. Um sie herum saßen Diskutanten einer Sitzung des EducationCamp #ecber15 in Berlin, die meisten Anhänger des neuen Lernens mit digitalen Medien. „Natürlich habe ich auch Angst“, sagte sie. „Gar nicht so sehr um mich, aber davor, was meine Schüler alles von sich preisgeben beim digitalen Lernen.“

Es war der Wendepunkt einer intensiven Debatte. Davor war viel über die lethargischen Pädagogen geunkt worden, auch gelästert. Danach verstanden viele, dass die Lehrer zurecht Angst haben – und eine sichere Umgebung für den Einsatz von online-Medien brauchen.

Die Debatte kocht auch außerhalb der Schule gerade wieder hoch, welche wunderbaren Möglichkeiten das Netz doch fürs Lernen und die Schulen bringen könnte. Mit dazu gehört freilich immer auch ein gewisser Alarmismus, zum Beispiel vertreten durch Manfred Spitzer. Der Ulmer Professor und Hirnforscher warnt davor, dass Handys und Internet so süchtig machen wie Zigaretten, Alkohol und Drogen. Sein neues Buch heißt „Cyberkrank“.

Bild am Sonntag vom 25.10.15 

Bild am Sonntag vom 25.10.2015

Den Eltern ist das nicht gerade egal. Sie rennen zu Hunderten zu Spitzers Vorträgen. Und zahlen 15 Euro Eintritt dafür. Es könnte also was dran sein an den Ängsten, die Spitzer anspricht. Man muss das ernst nehmen – auch wenn man Spitzers Spitzen nicht immer gut findet.

Wenn man die Eltern solide und repräsentativ befragt, was macht ihnen Sorgen, was sind die Risiken des Netzes, dann steht ganz weit oben: „unüberlegt Daten preisgeben“. 55 Prozent der Eltern, welche die Landesanstalt für Medien von NRW (in einer gerade veröffentlichten Studie) anhörte, gaben an: Datenschutz macht uns Sorgen! Darüber steht mit 56 Prozent Zustimmung nur: „Ablenkung durch das Handy (z.B. bei den Hausaufgaben)“ Und danach kommt lange nichts, was den Eltern am Netz riskant erscheint. Dann kommen „Handysucht“, „nicht-jugendfreie Seiten“ und „Nachrichten von Fremden“ an die Kinder.

Ganz ähnlich sieht es beim EdChatDE aus, dem Twitter-Gespräch zwischen Lehrern und anderen Bildungsinteressierten. Als jüngst das Thema Datenschutz Thema des wichtigsten Diskurses von Lehrern in den sozialen Medien war, sprangen die EdChatter voll drauf an – obwohl die es sonst mit Risiken nicht so haben. Datenschutz ist auch für Lehrer ganz besonders wichtig.

Was bedeutet das für eine Schule, wenn sie digitales Lernen in irgendeiner Form einführen oder befördern will?

Es geht zunächst gar nicht um Tablets, Handyverbote oder schnelles Internet. Zuerst muss man den Lehrern und den Eltern die Sorge nehmen – vor dem Vagabundieren, der Fehlnutzung und dem Missbrauch der Daten, die Schüler produzieren: Inhalte, Aufsätze, Noten, Betragen, Orte usw., alles hinterlässt Spuren im Netz. Datenschutz ist also der wichtigste erste Sprung, der gemacht werden muss, um die vielen Hürden und Hindernisse des digitalen Lernens überwinden zu können.

Kurz: Wer die Daten der Lerner nicht sichert, braucht sie gar nicht ins World Wide Web zum Lernen einzuladen.

Das besondere Potenzial des digitalen Lernens liegt ja in der Vernetzung über das Internet, also dem gemeinsamen Sehen und Bearbeiten von Dokumenten. Nur so kann an der Gesamtschule West in Bremen künftig das E-Book die Kladde als Berichtsheft beim großen Klassenausflug ablösen. Nur so kann Christian durch den besonders guten/provozierenden/fehlerhaften Text von Julia angeregt werden, selber mit dem Schreiben anzufangen. Die schreibende Kollaboration macht Schüler sichtbar, die man vorher im Klassenraum so nicht wahrgenommen hat – und zwar für alle sichtbar, auch für die anderen Schüler.

Aber das heißt auch: Besondere Sichtbarkeit braucht besonderen Schutz.

Das ist auch das, was die Diskutanten auf dem Datenschutz-Podium des Nutzertreffens von itslearning in Bremen betonen: Es ist wichtig...

  • „dass sich die Lehrer im rechtssicheren Rahmen bewegen können“, sagt der Vertreter der Lehrer im Personalrat, André Sebastiani;
  • „dass die Lehrer ziemlich genau wissen, was sie erlauben dürfen“, meint der Vater Dietmar Niehaus, der Mitglied im Bremer ZentralElternBeirat ist;
  •  „dass allen Beteiligten transparente und verlässliche Rahmenbedingungen beim Einsatz“ der Lernplattform geboten werde, findet auch Michael Plehnert vom Bremischen Lehrerbildungsinstitut.

Der Beauftragte des Landes Bremen für Datenschutz und Informationsfreiheit, Harald Stelljes – auch er wird bei der Diskussion anwesend sein – sieht das ganz nüchtern: „Die Verarbeitung der Daten nicht auf Servern in Drittstaaten erschwert zumindest den Zugriff durch amerikanische Geheimdienste.“ Das ist die Fallhöhe, über die wir reden: Kann die NSA die Aufsätze unserer Kinder mitlesen?

Jochen Wortelker, der Gast aus Hamburg, setzt noch einen anderen Akzent: „Der Schüler muss entscheiden, welche Daten er freigibt.“ Das ist eine große Verantwortung, die der Mitarbeiter im Hamburger Projekt „Start in die nächste Generation“ an die Schüler weiter gibt.

Die weiteren Bemerkungen der Diskutanten, die sie uns vorab sandten, berührten andere Themen. Auch diese Merkpunkte sind allesamt wichtig für den Lernprozeß und die Entwicklung der Schule.

Es geht darum, dass die Datenschutzvereinbarung...

  • eine gute und sichere Atmosphäre beim Lernen schafft
  • sie dazu führt, über gemeinsame Inhalte im Sinne von OER nachzudenken, also „open educational resources“, vulgo: das neue Schulbuch
  • die Lernplattform so sicher macht, dass sie die Lehrer auch überfordern könnte - durch ständige Erreichbarkeit.

Die letzte Anmerkung ist von der Lehrerin und Schulleiterin Maria Schümann von der Gesamtschule West. Sie sorgt sich darum, dass ihre Lehrer datensicher arbeiten – und trotzdem nicht immer erreichbar sind. „Ich bin da ein schlechtes Vorbild, ich gucke auch um 12 Uhr nachts noch Emails an“, gesteht sie.

Diese Punkte sollen beim itslearning-Nutzertreffen am 5. November in Bremen diskutiert werden.

Wenn Sie weitere Themen oder Fragen haben, die auf dem Podium behandelt werden sollen, dann beteiligen sie sich an der Debatte. Hier und in Bremen. Denken Sie daran: Keine Frage ist falsch, jede Frage ist wichtig!
Hinterlassen Sie Ihre Meinung am Ende dieser Seite!

Sie glauben, dass man auch die Subjekte des Lernens fragen muss, die Schüler, weil die möglicherweise ganz andere Prioritäten setzen?

Ja, das stimmt. Kinder und Jugendliche haben, wenn man sie repräsentativ zu dem Thema fragt, andere Schwerpunkte – außer beim Datenschutz. Auch bei Schülern rangiert nämlich die Sorge, „unüberlegt Daten von sich preis zu geben“, ganz oben auf der Rangliste der Risiken im Netz. 42 Prozent der 11- bis 14jährigen aus NRW finden das ein Problem. Und nur ein Punkt steht darüber: Bei Hausaufgaben durch das Handy, genauer das Netz abgelenkt werden zu können. Wir erinnern uns: Davor hatten auch die Eltern Angst.

Das heißt, darüber sollten wir diskutieren: Wie entkommt Schule der Zwickmühle, dass sie durch die Datensicherung den Hang zur Ablenkung womöglich steigert?

Ich freue mich auf die Diskussion zu diesem Thema, das Lehrern, Eltern und Schülern so wichtig ist! Hinterlassen Sie bitte Ihr Kommentar, besonders dann, wenn Sie leider nicht am Nutzertreffen teilnehmen können.

Herzlich

Ihr Christian Füller

Christian Füller auf der Buchmesse Leipzig 

Christian Füller auf der Frankfurter Buchmesse

Gastbeitrag von Christian Füller, Journalist und Pisaversteher, der das Podium „itslearning - Datenkrake oder sicherer Hafen?“ auf dem Nutzertreffen 2015 in Bremen moderiert.

  


Und das sagen die DiskutantInnen: 

Maria Schümann, Schulleiterin

  • Die Lernplattform ist ein wichtiger Schritt, um die Möglichkeiten des digitalen Lernens nutzen zu können. Aber: Es fehlt an digitaler Infrastruktur im Sinne eines schnellen Netzzugangs und an der Ausstattung mit Endgeräten.
  • Illusion Zeit: Sich in itslearning so einzuarbeiten, dass es für den praktischen Schulalltag nutzbar ist, braucht sicher viel Zeit. Da muss jeder Lehrer auf seine Zeitbudgets acht geben.

Michael Plehnert, Projektkoordinator am Zentrum für Medien:

  • Lehrkräfte erhalten mit itslearning ein mächtiges Werkzeug, mit dem sie ihren konventionellen Unterricht durch zusätzliche, optionale Angebote für ihre Lerngruppen ergänzen können.
  • Fach- und Jahrgangsteams sowie ganze Kollegien können mit itslearning ihre koordinierenden Aufgaben (z. B. Entwicklung von schulinternen Curricula) so organisieren, dass die Ergebnisse unmittelbar im Unterricht nutzbar sind.

André Sebastiani, Personalratsvertreter der Schulen:

  • Kommerzielle Lernplattformen schicken sich an, das Geschäftsmodell von Schulbuchverlagen frontal anzugreifen. Dabei stellen sie lediglich Infrastruktur zur Verfügung. Schulträger wie Bremen zahlen so (in Zukunft) für die Bereitstellung der Inhalte, die ihre eigenen KollegInnen geschaffen haben.
  • Weitere kommerzielle Anbieter werden versuchen über Schnittstellen kostenpflichtige Angebote für itslearning bereitzustellen. Man kann kaum absehen was passiert, wenn ein geschlossenes kostenpflichtiges System große Marktmacht erringt.

Harald Stelljes, Beauftragter der Landesdatenschutzbeauftragten:

  • Eine datenschutzkonforme Lernplattform fördert die Medien- und Datenschutzkompetenz der Schülerinnen und Schüler glaubwürdig.

Jochen Wortelker, Projektmitarbeiter "Start in die nächste Generation" Behörde für Schule und Berufsbildung Hamburg:

  • Mehr Daten führen zu mehr Gerechtigkeit bei der Schülerbeurteilung.
  • Früher entschied der Lehrer über die Note – heute ein Gericht.

Dietmar Niehaus, Zentraler Elternbeirat Bremen:

  • Wir Eltern möchten engagierte Lehrer. Es sind immer die engagierten Lehrer, die im Zweifel den Kopf für neue Ideen hinhalten müssen.

Was sagen Sie?

 

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7 comments (Add your own)

1. educationchanger wrote:
toller artikel, macht zwar einen rundumschlag, aber interessant zu lesen. mich würde ja besonders interessieren, wie man denn bei BYOD mit den personenbezogenen daten umgeht, wenn die geräte schon schülern gehören und sich da schulisches lernen und privates drauf vermischt. was würde ein datenschützer dazu sagen? wie machen die das denn in hamburg?

Sat, October 31, 2015 @ 16:17

2. Christian Füller wrote:
Gute FRAGEN, danke für den Hinweis! Mir berichten Schüler, dass sie einfach nicht reingehen itslearning. Wie kann denn das gemeinsame Lernen mit der Plattform aussehen?

Sun, November 1, 2015 @ 13:32

3. K.Neysters wrote:
Im Artikel ist Vieles in einem Topf gemischt. Ängste der Eltern und SuS sich vom Handy ablenken zu lassen haben nicht direkt etwas mit itlslearning zu tun. Das Handy ist ja immer in der Hosenasche erreichbar und eine oft begrüßte Ablenkung. Früher haben auch alle gestöhnt "die Jugend" wird zu sehr vom Musik hören beim Lernen abgelenkt. Es sind wohl immer die "neuesten" Medien, die "die Jugend" vom Arbeiten generell ablenkt. Eltern die Angst haben ihre Kinder lernen zu wenig, weil das Handy sie ablenkt sollten mal über eine zeitliche eingeschränkte Nutzung nachdenken ( und dafür auch mit gutem Beispiel vorangehen). Die eigentliche Datensicherheit ist viel wichtiger. Aber längst greifen SuS auf ungeprüfte Quellen im Netz zu für ihre Referate und Hausaufgaben. Wie oft lese ich das beliebte schema copy und einfügen in Schülerarbeiten. Hinterfragt wird da nichts. Unbestreitbar ist das Netz bei allen und überall angekommen. Umso wichtiger ist eine konsequente und umfassende Medienbildung in der Schule. Das Arbeiten auf der Lernplattform im "geschützen" Raum der Klasse, online zusammen arbeiten mit den Personen die ich kenne und einen Lehrer als Ansprechpartner, und die Tatsache, dass meine Klassenkammeraden lesen können was ich schreibe. Das sind große Vorteile gegenüber dem unkontrolliertem surfen im www. Das ist es was, meiner Meinung nach, der Schwerpunkt beim Arbeiten im onlinemodus sein sollte. Die Lernplattform, mit einem von der Fachlehrerein / dem Fachlehrer bereit gesteltem Arbeitsfeld, schult die SuS im Umgang mit dem großen Angebot im www.

Mon, November 2, 2015 @ 17:58

4. Peter Sidro wrote:
Liebe Frau Neysters,
schöner Beitrag, und ich möchte noch hinzufügen, dass Schüler mit diesen komplexen Datenmengen im www selbst gar nicht mehr zurecht kommen und die Lehrkraft immer mehr die Rolle bekommt, "Navigator" in diesem Überangebot zu sein. Dabei sollte meiner Meinung nach itslearning als digitale Arbeitstasche des Lehrers das strukturierende, digitale Element sein, oder?

Tue, November 3, 2015 @ 12:59

5. Harald Stelljes wrote:
Ich finde die Debatte schon jetzt sehr aufregend und freue mich auf eine spannende Diskussion am Donnerstag auf dem Nutzertreffen.

Tue, November 3, 2015 @ 15:13

6. Dietmar Niehaus wrote:
Die Schüler gehen sowieso ins Netz. Dabei werden alle möglichen Plattformen genutzt. Das Ganze passiert häufig relativ unkontrolliert, weil das unter Aufsicht nicht so cool ist und die Kids schon ihre Wege finden.
Mit itslearning können die Schüler das in einem relativ kontrollieren Rahmen üben und sich so auf die rauhe Wirlichkeit vorbereiten. Dabei sollten sie möglichst viel ausprobieren können. Dazu gehören auch Fotos, Videos usw..
Wenn es da zu datenschutzrechlichen Katastrophen kommt, hat man mit itslearning wesentlich bessere Möglichkeiten das wieder einzufangen. Auf anderen Plattformen hat man die nicht.
Da diese datenschutzrechtlichen Katastrophen vorhersehbar sind, müssen besonders die engagierten Lehrer geschützt werden. Sie sollen ja auch nach diesen Katastrophen engagiert weiter machen, da die Kids sonst wieder unkontrolliert ihre Erfahrungen machen.

Tue, November 3, 2015 @ 19:51

7. Annegret Ochsenreither wrote:
Ich stimme Herrn Niehaus zu. Kinder werden sowieso mit sozialen Netzwerken konfrontiert werden. Itslearning bietet hier die Möglichkeit die Schüler in einer relativ kontrollierten Umgebung die Erfahrung eines solchen Netzwerks zu machen.

Thu, November 5, 2015 @ 12:24

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