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Digitale Didaktik aktiv nutzen

Im Juni 2011 wechselte die norwegische Gemeinde Bærum von Fronter zu itslearning. Nur zwei Monate später konnten die Schulen bereits die neue Lernplattform nutzen. Wie schafften sie es, das System so schnell einzurichten und in Betrieb zu nehmen?

 

Bærum ist der Einwohnerzahl nach die fünftgrößte Gemeinde Norwegen und hat 43 Schulen, 1.500 Schulmitarbeiter sowie 16.000 Schüler. Obgleich die Schulen von Bærum in den landesweiten Tests zu den besten gehörten, hatten sie im IT-Bereich viel nachzuholen, sagt Frank Baklid, Projektleiter für die Entwicklung digitaler Fertigkeiten in der Gemeinde Bærum.

Daher beschlossen die Gemeindepolitiker im März 2010 einen Handlungsplan, um den Forderungen der Bildungsreform1 an die bessere Entwicklung digitaler Fähigkeiten zur Verbesserung der Lernerfolge in allen Fächern gerecht zu werden. Eine der in diesem Handlungsplan vorgesehenen Maßnahmen war der Wechsel zu itslearning.

Frank Baklid räumt ein, dass Bærum im IT-Bereich hinter anderen Gemeinden hinterherhinkte. Das Hauptproblem war die geringe Nutzung der vorhandenen Lernplattform Fronter.

„Fronter wurde nicht genutzt. Vor allem, weil die Lehrkräfte das System zu kompliziert fanden“, sagt er. „Während es in der Sekundarstufe I kaum genutzt wurde, wurde es in den Schulen der Primarstufe gar nicht genutzt.“

Jeder sollte mitmachen

Vier Schulen der Primarstufe und zwei Schulen der Sekundarstufe wurden als Versuchsschulen für die Einführung von itslearning ausgewählt. Diese Versuchsschulen testeten itslearning im Laufe des Schuljahres und wurden dabei von der Gemeinde besonders unterstützt. Ihnen standen Schulungsangebote durch jeweils vier IT-Koordinatoren zur Verfügung, die auch ansonsten die Schulen als Ansprechpartner unterstützten. Allen anderen Schulen wurden Schulungen durch zwei IT-Koordinatoren angeboten.

Obgleich die Gemeinde den Schulen bei der Einführung des neuen Systems freie Hand ließ, wurden bestimmte Richtlinien eingeführt. So sollten alle Beurteilungen digital in itslearning abgegeben werden.

„Am wichtigsten war es, dass die Schulen begannen, itslearning wirklich zu nutzen. Wie die einzelne Schule dabei vorging, war nicht so wichtig“, erklärt Baklid. „Wir wussten, dass die Lehrkräfte gute Ergebnisse erzielen wollten und sie arbeiteten sich sogar in ihrer freien Zeit in die Benutzung von itslearning ein.“

Klare Erfolgsvoraussetzungen

Alle Schulen verwenden jetzt itslearning und Frank Baklid nennt vier Voraussetzungen, die entscheidend für die erfolgreiche Einführung von itslearning waren: digitale Ressourcegruppen, umfassende Schulung, aktive Beteiligung der Schulleitungen und finanzielle Mittel.

„Gleich zu Beginn wurden die Schulen angewiesen, eine digitale Ressourcegruppe aus den IT-Koordinatoren und der Schulverwaltung zu bilden, die während der Einführungsphase den übrigen Mitarbeitern mit Rat und Tat zur Seite stehen sollte. Diese Gruppen wurden durch die Projektleitung und die Verantwortlichen für die pädagogische Nutzung von IT in den Schulen unterstützt. Die zentrale Ressourcegruppe unterstützte zwar die Schulen beim Aufbau der notwendigen Kompetenzen, aber die Verantwortung lag bei den einzelnen Schulen.“

Die Gemeinde startete ein großes Schulungsprojekt mit den Schwerpunkten Administration und pädagogische Nutzung des neuen Systems. Wichtig war dabei die klare Aufgabenverteilung zwischen den technischen Systemadministratoren, die für den täglichen Betrieb von itslearning verantwortlich sind, und den Lehrkräften, die sich auf die pädagogische Nutzung konzentrieren sollten.

Wichtig für den Erfolg des Projekts war auch die aktive Beteiligung der Schulleitungen und Frank Baklid räumt ein, dass es noch besser gewesen wäre, die Schulleitungen in einem früheren Stadium einzubeziehen. Zunächst konzentrierte sich das Team von Baklid nämlich auf die Schulung von technischen Administratoren und Lehrkräften, aber die Schulleitungen waren ebenfalls daran interessiert zu erfahren, worum es bei itslearning ging.

„Es ist wichtig, die Schulleiter gleich einzubeziehen“, erkennt Frank Baklid. „Man kann den Effekt gar nicht hoch genug einschätzen, den es hat, wenn die Schulleiter ihr Wissen austauschen, einander Anregungen geben und die Entwicklung aktiv fördern.“

Eine entscheidende Voraussetzung für den Erfolg war auch die Bereitschaft der Gemeinde, während der Einführungsphase ausreichende Finanzmittel zur Verfügung zu stellen. Die Höhe der erforderlichen Mittel wird jedoch schnell abnehmen, bis nur noch die laufenden Kosten für die Systemwartung zu tragen sind.

Viele Beispiele guter Nutzung

Frank Baklid hat berets viele ausgezeichnete Beispiele dafür gefunden, wie Lehrer und Schüler itslearning auf kreative Weise einsetzen.

„So nutzt ein Lehrer etwa das Test-Tool, um seine Englischklasse zu motivieren. Er postet regelmäßig Aufgaben, für deren Bearbeitung die Schüler automatisch Feedback erhalten. Dieses Feedback motiviert die Schüler, den sie nutzen es häufiger, um sich auf den nächsten Test vorzubereiten. Und weil die Schüler mehr üben, werden die Ergebnisse der am Ende der Woche durchgeführten Tests besser. Das Gleiche gilt für Schüler, die mit der Audioaufzeichnungsfunktion von itslearning zuhause Leseübungen aufnehmen: Sie lesen die Aufgabe mehrmals, um sich weiter zu verbessern.“

Diese Methoden sind einfach aber wirkungsvoll. Frank Baklid erwähnt als weiteres Beispiel einen Lehrer, der Screenshots von Word-Dokumenten macht, die er dann in Microsoft Paint öffnet, wo er alle Kommata entfernt. Er verwendet dann das Test-Tool von itslearning, um Klick-Aufgaben zu erstellen, bei denen die Schüler die Kommata an die richtigen Stellen setzen müssen.

Frank Baklid, dessen Ziel es ist, dass möglichst alles in itslearning gemacht wird, hofft, dass bis zum Frühjahr 2013 etwa 90 % aller Benutzer itslearning aktiv nutzen. Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, will die Gemeinde Bærum, dass itslearning überall für Wochenstundenpläne, Aufgaben und Beurteilungen genutzt wird.

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1. 2006 wurde in Norwegen eine Reform zur „Bildungssteigerung“ (Kunnskapsløftet) für alle Schulen der Primarstufe und der Sekundarstufen I und II beschlossen.

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