Wie sollen Schulen mit Schülern umgehen, die in der Schulzeit die Klasse verlassen, um ins Ausland zu gehen – beispielsweise für einen Urlaub? Ist es möglich, ihrer Abwesenheit etwas Gutes abzuringen? Ja, sagt Marit Spildo, die Erfinderin eines Projekts auf der Basis von itslearning, das auf Schüler abzielt, die für eine kürzere Zeit ins Ausland reisen.
„Eine 12-jährige Schülerin kam von einem Familienurlaub mitten in einem Schuljahr zurück, und als ich sie fragte, wo sie waren, antwortete sie: ,Natürlich im Süden!’“, erklärt Marit, eine norwegische Lehrerin und Sprachtherapeutin. „Sie meinte Südeuropa, doch zu meiner Überraschung stellte ich fest, dass sie nichts über das Land oder die Stadt wusste, die sie besucht hatten.“
Bei einer anderen Gelegenheit traf Marit die Mutter eines Schülers, der einen zweiwöchigen Sonderurlaub plante. Zu dieser Zeit wurde in den Medien eine hitzige Debatte geführt, bei der es um die Abwesenheit von Schülern ging, die außerhalb der Ferienzeiten Urlaub mit der Familie machen. Ohne gefragt zu sein, sagte die Mutter in scharfem Ton: „Sie lernen genauso viel, wenn sie reisen!“
Marit wusste, dass das wohl stimmen kann, es aber nicht in jedem Fall eintrifft.
Lernen in der Fremde
Preis für Marit
Marits Kurs Die Welt erkunden hat einen Preis Kategorie Kreative Nutzung von itslearning bei der Share & Use Conference 2011 in Sandvika (Norwegen) gewonnen.Auf der Grundlage dieser Erfahrungen begann Marit, ihre Ideen dafür zu skizzieren, was einmal Die Welt erkunden werden sollte – ein Projekt für Schüler im Urlaub, das sicherstellt, dass sie sich auch im Urlaub weiter auf das Lernen konzentrieren und dabei IKT als motivierenden Faktor nutzen.
Marit hat den Kurs jetzt als Teil ihrer Masterarbeit über „IKT im Unterricht“ weiterentwickelt und setzt ihn ein, wenn ihre Schüler während der Schulzeit Urlaub machen.
Im Rahmen des Projekts bekommen die Schüler vor, während und nach der Reise Arbeitsaufgaben, die auf ihr Reiseziel abgestimmt sind. Die Aufgaben unterscheiden sich je nach Alter der Schüler, doch das Prinzip ist immer dasselbe. Und auch wenn die Schüler während des Urlaubs keinen Zugang zum Internet haben, können sie dank der Arbeitsaufgaben vorher und nachher immer noch einen positiven Lerneffekt genießen.
Nach der Rückkehr wird ihr neues Wissen in Lernressourcen für die Mitschüler und Lehrer umgewandelt.
Positive Reaktion von Eltern
Marit ist sich im Klaren darüber, dass das neue Wissen der Schüler als wichtiger Beitrag für die Schulgemeinschaft angesehen werden soll, dies aber nicht auf Kosten des Familienurlaubs gehen sollte.
„Die Arbeitsaufgaben werden mit Blick auf die ganze Familie erstellt, so dass der Schüler die normalen Urlaubsaktivitäten weiterführen kann“, sagt sie. „Alles, was ich verlange, ist, dass sie tagsüber ein Notebook, Handy oder eine Digitalkamera mitnehmen und abends oder morgens einige Stunden am Computer sitzen. Auf diese Weise können sie etwas über ihre Erlebnisse gestalten – zum Beispiel eine Fotogeschichte im Internet.“
Doch was sagen die Eltern, wenn ihre Kinder in der Urlaubszeit arbeiten sollen?
„Das Projekt ist noch nicht gründlich durchgetestet worden“, antwortet Marit. „Aber die, die es bereits durchgeführt haben, haben sich positiv dazu geäußert. Die Lernaktivitäten sollen Spaß machen und für die ganze Familie interessant sein.“
Lernen in einer sicheren Umgebung
Einige Eltern befürchten vielleicht, dass Bilder und Videos von ihrem Familienurlaub im Internet auftauchen könnten, doch Marit sagt ihnen, dass sie sich darüber keine Sorgen zu machen brauchen. Für itslearning sind ein Benutzername und ein Passwort erforderlich, und alles, was die Schüler dort erstellen, ist nur für die anderen Schüler in ihrer Klasse sichtbar.
Doch itslearning bietet noch weitere Vorteile. Während sie im Urlaub sind, können sich die Schüler in einer sicheren Umgebung an Diskussionen mit Lehrern und anderen Schülern beteiligen und so das verfolgen, was während ihrer Abwesenheit in der Klasse geschieht.
Marit hofft, dass Die Welt erkunden eine Antwort auf die Bedürfnisse von Schüler und Eltern ist, während des Schuljahrs Urlaub zu machen, und den Lehrern dabei hilft, diese Art der Abwesenheit als einen Nutzen anzusehen, für den Schüler im Urlaub ebenso wie für die übrige Klasse.
Posted on
25.01.2012
by Øyvind Flatnes
filed under